Methacholin-Test

Beim Methacholintest (Methacholin-Provokationstest) handelt es sich um einen inhalativen (zum Einatmen) Provokationstest mit sog. unspezifischen pharmakodynamischen Substanzen, d.h. dem Methacholin, der in der Pneumologie (Lungenheilkunde) und Allergologie in der Diagnostik  des Asthma bronchiales eingesetzt wird.

Mit Hilfe des Verfahrens ist es möglich, die bronchiale Hyperreagibilität (übersteigerte Reaktionsbereitschaft des Organismus auf einen exogenen Reiz) im Rahmen des Asthmas zu beurteilen. Die erhöhte Empfindlichkeit der Bronchialschleimhaut ist mitentscheidend für die Symptomatik des Asthmas. Als Folge dieser Hyperreagibilität können Reize, die in einem physiologischen (gesunden) Bronchialsystem keine Reaktion und damit auch keine Krankheitserscheinungen hervorrufen würde, Asthmasymptome wie trockenen Husten, Dyspnoe (Atemnot) und Giemen (Atemgeräusche) verursachen. Methacholin selbst ist ein Arzneimittel aus der Gruppe der Parasympathomimetika (Steigerung des Parasympathicus), das dosisabhängig zu einer Reizung des Bronchialsystems führen kann.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Asthma bronchiale − die Bestimmung des Ausmaßes der bronchialen Hyperreagibilität ist Teil der Asthmadiagnostik und kann zur Beurteilung des Asthmas eingesetzt werden.

Vor der Untersuchung

  • Bis zum Jahr 2011 wurde empfohlen, vor der Untersuchung auf die Einnahme von Koffein und somit einen Kaffeekonsum zu verzichten, da Koffein als Theophyllinanalogon die bronchiale Reaktion abmildern kann. In einer aktuellen Studie konnte jedoch gezeigt werden, dass die Aufnahme von Koffein vor der Untersuchung keinen Effekt auf die bronchiale Hyperreagibilität hat. Bei der Studie wurde ein definierter Koffeinspiegel erreicht, der jedoch auf den Hauptzielparameter "Forcierte Einsekundenkapazität (FEV1)" keinen Einfluss hatte.
  • Bei der Durchführung des Methacholin-Tests muss in Absprache mit dem behandelnden Lungenfacharzt auf die Einnahme von Medikamenten verzichtet werden, die eine Beeinflussung der Testergebnisse zur Folge haben könnten. Als Beispielsubstanzen, die nicht eingesetzt werden sollten, sind kurzwirksame Beta-Sympathomimetika wie Salbutamol und Fenoterol und anticholinerge Substanzen wie Ipratropriumbromid und Tiotropiumbromid zu nennen. Auch antiallergische Substanzen wie der Histamin-H1-Rezeptor-Antagonist Loratadin, diverse Betablocker wie zum Beispiel Metoprolol und inhalative Glucocorticoide (Cortison und weitere Präparate) sind ebenfalls vor dem Test abzusetzen.
  • Der Methacholintest kann aber auch zur Beurteilung des Therapieerfolges nach eingeleiteter Asthmabehandlung dienen. In diesem Falle wird man den Test bewusst unter Beibehaltung und Fortführung der Asthmatherapie durchführen, um deren Wirksamkeit zu beurteilen.

Das Verfahren

Zur Durchführung des Verfahrens sind verschiedene Methoden möglich, die in aller Regel auf dem Konezept der ATS/ERS fußen:

  • 5-Stufen-Test − Bei dieser Methode zur Beurteilung der bronchiale Hyperreagibilität handelt es sich um die von der American Thoracic Society empfohlene Durchführung des Methacholintests. Vor dem Methacholintest erfolgt zusätzlich eine Spirometrie (medizinisches Verfahren zur Bestimmung des Atem- und Lungenvolumens). Für die Durchführung werden fünf verschiedene Konzentrationen des Methacholins (0,0625; 0,25; 1,0; 4,0; 16 mg/ml) hergestellt und dem Patienten über einen Vernebler verabreicht. Mit Hilfe der Spirometrie wird 90 Sekunden nach Gabe des Methacholins die FEV1 (Forcierte Einsekundenkapazität) bestimmt. Der Stufen-Test ist in der Durchführung verhältnismäßig aufwändig.
  • 4-Stufen-Test − Als Weiterentwicklung des 5-Stufen-Tests ist der 4-Stufen-Test anzusehen, bei dem nur eine Konzentration des Methacholins hergestellt und verabreicht werden muss. Diese Konzentration wird vier Mal verabreicht und die FEV1 anschließend bestimmt.

Nach der Untersuchung

Durch die Reizung des Bronchialsystems sind moderate bis starke Belastungen im Anschluss an die Untersuchung zunächst zu vermeiden. Es sind jedoch keine speziellen Maßnahmen nach dem Methacholintest durchzuführen. Sogenannt Spätreaktionen gibt es bei der Methacholinprovokation nicht.