Shuntvolumen-Analyse

Die Shuntvolumen-Analyse dient der Beurteilung der Ausprägung und Progression (Verlauf/Fortschreiten) eines Rechts-Links-Shunts bzw. bei einer vorliegenden angeborenen Fehlbildung der Blutgefäße, bei der die Arterien direkt mit den Venen verbunden sind (arteriovenösen Malformation).

Ein Rechts-Links-Shunt ist als das Übertreten des Blutflusses von der rechten Seite des Herzens zur linken Seite definiert, so dass die notwendige Sauerstoffanreicherung des Blutes nicht erfolgen kann.

Der Rechts-Links-Shunt lässt sich in anatomische und physiologische Shunts einteilen. Während anatomische Shunts dadurch gekennzeichnet sind, dass diese auftreten, nachdem der Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid zwischen dem Blut und der Luft in den Alveolen (Lungenbläschen) abgeschlossen ist, existieren dem gegenüber physiologische Shunts bei der Durchblutung nicht-belüfteter Alveolen.

Zur Shuntvolumen-Analyse werden verschiedene Methoden eingesetzt.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Sauerstoffpflichtige Hypoxämie, die mit einer üblicher Sauerstofftherapie bis zu einem  Fluss von 10 l Sauerstoff/min nicht aufgesättigt werden kann.
  • Arteriovenöse Malformationen (AVM) der Lunge
  • Hepatopulmonales Syndrom
  • Intracardiale Shunts
  • Acute Respiratory Distress Syndrom (ARDS)

Vor der Untersuchung

Der Rechts-Links-Shunt stellt eine Folge einer zugrundeliegenden Erkrankung dar. Somit muss vor der Untersuchung des Shuntvolumens eine genaue Diagnostik der Grunderkrankung erfolgen.

Bei einem hepatopulmonalen Syndrom liegt die portale Hypertension (Erhöhung des portalvenösen Drucks über den Normbereich, 3-6 mmHg) als Ursache vor.

Auf Grund dessen müssen Komplikationen der Hypertension mittels Endoskopie (Spiegelung), Sonographie (Ultraschall), Farbduplexsonographie etc. ausgeschlossen werden.

Das Verfahren

Die Shuntvolumen-Analyse dient der Untersuchung der Verbindung von Perfusion (Durchblutung) und Oxygenierung des Blutes.

Bei einem Rechts-Links-Shunt lässt sich ein massives Missverhältnis von Ventilation (Belüftung der Lunge) und Perfusion (Versorgung mit Blut) feststellen, die zu einer deutlichen Hypoxämie (Sauerstoffmangel im arteriellen Blut) führen.

Die Shuntvolumen-Analyse kann mit Hilfe dieser Formel quantifiziert werden:

Qs/Qt = (CcO2-CaO2) / (CcO2-CvO2)

In diesem Fall stellt Qs/Qt den Shunt-Anteil dar, während CcO2 den Sauerstoffgehalt am Ende der Kapillare darstellt. CaO2 ist als arterieller Sauerstoffgehalt definiert und CvO2 stellt den arteriellen und gemischt venösen Sauerstoffgehalt dar. CcO2 wird über den kapillaren Sauerstoffgehalt ermittelt.

Zur Durchführung der Shuntvolumen-Analyse wird vom Patienten über einen Zeitraum von mindestens 10 bzw. 20 Minuten 100 % Sauerstoff über eine Maske eingeatmet. Während der Untersuchung trägt der Patient einen Nasenclip, um eine 100 % Einatmung von Sauerstoff gewährleisten zu können.

Eine gängige Methode, die insbesondere beim hepatopulmonalen Syndrom genutzt wird, ist der szintigraphische Shuntnachweis mittels 99m-Tc-MAA, bei der die Anreicherung der verabreichten radioaktiven Substanzen in den verschiedenen Organen beurteilt werden kann.

Weiterhin wird auch die Echokardiographie zum Shuntnachweis eingesetzt. Das Spektrum zum Shuntnachweis umfasst noch weitere Methoden.

Nach der Untersuchung

Im Anschluss an die Untersuchung und nach Durchführung weiterer diagnostischer Methoden zur Beurteilung der Grunderkrankung muss die weitere Behandlung festgelegt werden.

Die Therapiemaßnahmen richten sich jedoch nicht allein nach dem Shuntvolumen, sondern nach der Grunderkrankung. Bei einem hepatopulmonalen Syndrom stellt die Lebertransplantation die einzige Methode zur Heilung dar.