6 Min. Gehstrecke

Der 6-Minuten-Gehtest ist ein standardisiertes Verfahren zur objektiven Beurteilung, Bestimmung des Schweregrades und Verlaufsbeurteilung einer Belastungseinschränkung, die auf kardiopulmonale Ursachen zurückzuführen ist.

Dabei spielt die Beurteilung der Wirksamkeiten von therapeutischen Maßnahmen, körperlichem Trainings und der Erfolg einer invasiven operativen Maßnahme ebenfalls eine wichtige Rolle.

Mithilfe dieses Belastungstests kann außerdem eine Aussage über die Prognose der betreffenden Erkrankung getroffen werden. Primär ist der 6-Minuten-Gehtest für die Evaluation der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) entwickelt worden.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Verlaufsbeobachtung sowie Schweregradeinschätzungen der folgenden Erkrankungen (exemplarisch):

  • Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Lungenfibrose
  • Pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH)

Zudem können Therapieeffekte z. B. innerhalb einer Rehabilitation beurteilt und in der Folge optimiert werden.

Das Verfahren

Der 6-Minuten-Gehtest beurteilt die körperliche Leistungsfähigkeit eines Patienten: Der Test ermittelt die Gehstrecke, die der Patient innerhalb von 6 Minuten auf ebenerdigem Terrain und definierter Strecke zurücklegt.

Dabei sollte möglichst die längste Gehstrecke angestrebt werden. Optimal für die Durchführung ist ein Rundweg von 25 m Länge, da zu kurze Gehstrecken das Ergebnis beeinträchtigen. Zunächst wird der Patient mittels eines standardisierten Informationstextes instruiert, dass er die für ihn längste, innerhalb der 6 Minuten mögliche, Strecke gehen muss.

Vor dem Gehtest sollte eine Ruhephase von ca. 5 Minuten eingehalten werden, währenddessen weder gelaufen noch geredet werden sollte. Während des Gehtests sind Tempowechsel und Pausen erlaubt, der Patient bestimmt seine Geschwindigkeit selbst.

Die Zuhilfenahme notwendiger Gehhilfen oder Unterstützung durch eine weitere Person sind erlaubt. Der Patient sollte motiviert werden, die für ihn maximale Leistung zu erreichen.

Die Gehstrecke wird in Metern erfasst, zudem werden folgende Vitalparameter mittels Pulsoxymetrie erhoben:

  • Atemfrequenz
  • Pulsfrequenz
  • Sauerstoffsättigung

Zusätzlich wird der Blutdruck gemessen. Vor und nach der Untersuchung wird eine Blutgasanalyse durchgeführt. Weiterhin wird vor und nach dem Gehtest die subjektiv empfundene Atemeinschränkung des Patienten mittels der sogenannten Borg-Skala ermittelt.

Die Borg-Skala ist ein Bewertungsverfahren zur Evaluation des Schweregrads einer Dyspnoe (subjektive Atemnot), das in der Kardiologie (Herzheilkunde), Pulmologie (Lungenheilkunde) und in der Sportmedizin eingesetzt wird.

Die Einteilung erfolgt entweder durch einen Arzt mithilfe eines Patienten-Interview oder durch den Patienten selbst durch einen Fragebogen. Die Borg-Skala erfasst die während der letzten 24 Stunden empfundene Atemnot in einer Skala von 1-10.

Die Beurteilung der Gehstrecke erfolgt mittels der sogenannten Vorhersageformel von Troosters. Diese Formel dient der Ermittlung eines Sollwertes, der mit dem Istwert des Patienten verglichen wird. In die Berechnung fließen Alter, Gewicht, Größe sowie Geschlecht ein.

Prognostisch ist der Vergleich mit Normwerten gesunder Probanden wegweisend: Trainierte Gesunde gehen über 1.000 m, Untrainierte gehen ca. 700-800 m innerhalb der 6 Minuten, die Leistungsfähigkeit von Frauen ist etwas geringer als die der Männer. Liegt die Gehstrecke unter 300 m, ist von einer Einschränkung der Prognose auszugehen.